Einen Menschen zu vermissen, bedeutet oft, mit großer Ungewissheit zu leben. Wo ist ein Angehöriger? Was ist aus einem Familienmitglied geworden? Und gibt es eine Möglichkeit, wieder Kontakt aufzunehmen? Der DRK-Suchdienst unterstützt Menschen, die durch bewaffnete Konflikte, Katastrophen, Flucht, Vertreibung oder Migration von ihren Angehörigen getrennt wurden. Auch im Ostalbkreis ist der Suchdienst eine wichtige Anlaufstelle: 70 Menschen wandten sich im Jahr 2025 an den DRK-Suchdienst des Kreisverbandes Aalen.
Social Media kann helfen – aber nicht immer
In Zeiten von Facebook, Instagram und anderen digitalen Netzwerken liegt es nahe, nach vermissten Angehörigen zunächst selbst im Internet zu suchen. Und tatsächlich können soziale Medien bei der Suche hilfreich sein. Doch gerade bei Menschen, die infolge von Flucht, Krieg oder anderen Krisen getrennt wurden, stößt die digitale Suche schnell an Grenzen.
„Viele Menschen, die ihre Angehörigen suchen, haben keine Möglichkeit, über das Internet nach ihnen zu suchen. Manche haben keinen Zugang zum Internet, andere haben auf der Flucht ihr Mobiltelefon oder wichtige Dokumente verloren“, erklärt Andrea Stumpp-Dülch vom Suchdienst des DRK Aalen. Auch fehlender Netzempfang in Konflikt- oder Krisengebieten kann die Kommunikation unmöglich machen.
Genau hier setzt die besondere Stärke des DRK-Suchdienstes an: Er ist nicht darauf angewiesen, dass eine gesuchte Person ein öffentliches Profil besitzt oder online erreichbar ist. Der DRK-Suchdienst verfügt über ein weltweites Netzwerk aus nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sowie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). In 191 Ländern können Suchdienste vor Ort nach Informationen suchen und versuchen, den Aufenthaltsort einer vermissten Person zu ermitteln.
Dabei geht es nicht nur um die Suche nach einer Person. Der Suchdienst kann auch geschützte Kommunikationswege ermöglichen. Im Jahr 2025 vermittelte das internationale Netzwerk weltweit mehr als 1,4 Millionen Telefon- und Videokontakte zwischen Angehörigen. Auch Rotkreuz-Nachrichten ermöglichen die Kommunikation, wenn herkömmliche Wege nicht funktionieren.
Hinter jeder Suche stecken Schicksale
Wie wertvoll diese Arbeit sein kann, zeigen die unterschiedlichen Schicksale, die den Suchdienst erreichen. So konnte beispielsweise eine Frau nach rund 30 Jahren Kontakt zu ihrem leiblichen Vater aufnehmen. Eigene Suchversuche über soziale Medien waren zuvor erfolglos geblieben. Über den Suchdienst und die Zusammenarbeit mit der Rotkreuzgesellschaft im Herkunftsland konnte schließlich der Kontakt hergestellt werden.
In einem anderen Fall verloren zwei Verwandte während ihrer Flucht den Kontakt. Jahre später führte eine Suchanfrage über den DRK-Suchdienst und das internationale Rotkreuz-Netzwerk dazu, dass die Familie wieder miteinander in Verbindung kam. Auch Geschwister, die während der Flucht getrennt worden waren und unabhängig voneinander nach dem jeweils anderen suchten, konnten mit Unterstützung des Suchdienstes wieder zusammengeführt werden.
Und der Suchdienst hilft nicht nur dabei, Menschen wieder zusammenzubringen. Manchmal geht es auch um die schmerzhafte Gewissheit über das Schicksal eines Angehörigen. So konnten Eltern nach einem Schiffsunglück im Mittelmeer das Grab ihres verstorbenen Sohnes finden. Der Suchdienst hatte die Suche unterstützt und den Kontakt zu den zuständigen Stellen vermittelt.
Persönliches Engagement ist entscheidend
Hinter jeder Suchanfrage steht ein persönliches Schicksal. Deshalb ist neben dem internationalen Netzwerk auch die persönliche Beratung vor Ort von großer Bedeutung. Rund 90 Suchdienst-Beratungsstellen gibt es bundesweit in den DRK-Kreis- und Landesverbänden. Dort erhalten Menschen Unterstützung bei ihren Suchanfragen und werden durch den weiteren Prozess begleitet.
Beim DRK-Kreisverband Aalen steht dafür seit vielen Jahren Frau Stumpp-Dülch. Ihr langjähriges Engagement ist ein wichtiger Bestandteil der Suchdienstarbeit vor Ort. Mit viel Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Beharrlichkeit begleitet sie Menschen, die auf der Suche nach ihren Angehörigen sind.
„Suchdienst bedeutet für mich, Menschen in einer Situation zur Seite zu stehen, in der sie oft nicht wissen, wohin sie sich wenden können. Hinter jeder Anfrage steht eine Geschichte und meist die große Hoffnung, endlich Gewissheit zu bekommen“, so Stumpp-Dülch.
Der DRK-Kreisverband Aalen würdigt ausdrücklich ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Suchdienstarbeit. Gerade weil die Suche nach vermissten Angehörigen häufig komplex und langwierig ist, braucht es Erfahrung, Fachwissen und vor allem einen Menschen, der zuhört und die Betroffenen auf ihrem Weg begleitet.
Der Suchdienst ist seit mehr als 160 Jahren eine humanitäre Aufgabe der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Heute verbindet er diese lange Erfahrung mit modernen digitalen Möglichkeiten – Social Media und digitale Suche sind dabei Werkzeuge, das internationale Rotkreuz-Netzwerk und die persönliche Beratung aber das entscheidende Fundament.
Wer einen Angehörigen vermisst oder durch Krieg, Flucht, Vertreibung, Migration oder eine Katastrophe den Kontakt zu einem Familienmitglied verloren hat, kann sich an den DRK-Suchdienst wenden.
Kontakt:
Andrea Stumpp-Dülch
Tel: 07362 956 811
Am Stadtgraben 16
73441 Bopfingen
