Ein leeres Pflegebett steht derzeit beim DRK-Kreisverband Aalen für eine Frage, die viele Menschen irgendwann selbst betreffen kann: Wie sicher ist die pflegerische Versorgung, wenn wir oder ein Angehöriger einmal darauf angewiesen sind?
Der DRK-Kreisverband Aalen e. V. beteiligt sich an der landesweiten Aktionswoche „Das leere Pflegebett“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg. Die Kampagne setzt sich kritisch mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) auseinander und macht auf mögliche Folgen für die pflegerische Versorgung aufmerksam. Die Aktion richtet sich dabei ausdrücklich nicht gegen Reformen. Auch die Pflegeversicherung steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Die Frage ist vielmehr, wie eine Reform gestaltet werden kann, ohne die Versorgung vor Ort zu schwächen.
Was bedeutet das ganz konkret?
Beim DRK-Kreisverband Aalen zeigt sich, wie vielfältig Pflege heute ist: Sieben stationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt ca. 370 Pflegeplätzen gehören zum Kreisverband. Hinzu kommen die Tagespflege mit über 15 Plätzen und der ambulante Pflegedienst, der im vergangenen Jahr 340 Kund*innen bei rund 35.000 Hausbesuchen in Aalen und Umgebung versorgte.
„Pflege beginnt nicht erst mit dem Einzug in ein Pflegeheim. Sie findet zu Hause statt, in der Tagespflege und in stationären Einrichtungen. Wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, betrifft das deshalb ganz unterschiedliche Lebenssituationen“, sagt Matthias Wagner, Kreisgeschäftsführer des DRK in Aalen
Ein älterer Mensch möchte möglichst lange zu Hause leben und benötigt dafür regelmäßig Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Eine Angehörige möchte weiterhin arbeiten und nutzt deshalb die Tagespflege. Oder nach einem Krankenhausaufenthalt wird kurzfristig ein Pflegeplatz benötigt.
Was passiert, wenn solche Angebote künftig schwerer zugänglich, weniger finanzierbar oder wirtschaftlich nicht mehr ausreichend darstellbar sind?
Die Liga der freien Wohlfahrtspflege sieht insbesondere bei Veränderungen des Entlastungsbetrags, der Kurzzeitpflege, der ambulanten Beratung und der Refinanzierung von Personalkosten Risiken für die bestehenden Versorgungsstrukturen. Das Bundesgesundheitsministerium verfolgt mit dem PNOG dagegen das Ziel, die Pflegeversicherung finanziell zu stabilisieren, Leistungen neu zu ordnen und die Versorgung langfristig abzusichern.
Pflege muss vor Ort funktionieren
„Wir wissen, dass die Pflegeversicherung vor großen finanziellen Herausforderungen steht und dass Veränderungen notwendig sind. Gleichzeitig darf eine Reform nicht nur auf die Finanzierung des Systems schauen. Unser Ziel muss sein, dass Menschen auch künftig die Pflege bekommen, die sie brauchen – unabhängig davon, ob diese Unterstützung zu Hause, in der Tagespflege oder in einer stationären Einrichtung notwendig ist. Das leere Pflegebett ist für uns deshalb ein Warnsignal.“, so Wagner.
Eine weitere Herausforderung ist die bereits angespannte Personalsituation in der Pflege. Für den DRK-Kreisverband geht es deshalb auch darum, wirtschaftliche Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Pflegeeinrichtungen und Dienste dauerhaft ausreichend Personal gewinnen und halten können.
Mit der Aktionswoche möchte der DRK-Kreisverband Aalen dazu beitragen, die möglichen Folgen der geplanten Veränderungen sichtbar zu machen und die Perspektive der Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegeanbieter in die Diskussion einzubringen.
Denn die Frage „Gibt es einen Pflegeplatz, wenn ich ihn brauche?“ ist für Betroffene keine abstrakte politische Frage, sondern eine ganz konkrete Frage des Alltags.
Info: Über die digitale Pflegeplatz-Ampel unter www.drk-aalen.de/ampel können Interessierte online einsehen, wie die aktuelle Platzsituation in den sieben DRK-Pflegeeinrichtungen, der Tagespflege und beim Pflegedienst aussieht. Sie soll Familien eine erste Orientierung geben und die Suche nach einem Pflegeplatz erleichtern.
