HISTORIE – VOM SANITÄTSVEREIN ZUM KREISVERBAND

Am 7.Juli 1866 veröffentlichte das "Komitee des Sanitätsverein für den Bezirk Aalen" einen Aufruf an die Bevölkerung, in dem Dank für "eine Masse von Spitalrequisiten jeder Art sowie für sehr viele Geldbeträge aus der Stadt und von dem Lande" ausgesprochen wurde, "welche auf unsere Bitte hin für die Kranken und Verwundeten der württembergischen, eventuell der deutschen Bundesarmee bei uns eingegangen sind...".

Dies ist ein Beweis dafür, dass ein Verein bestand, der sich die Hilfe für Verwundete und kranke Soldaten zum Ziel gesetzt hatte

Die Anfänge eines Sanitätsvereines in Aalen gehen zurück auf die Bemühungen einer Gruppe von Ehrefrauen prominenter Aalener Bürger im Jahre 1859. Es waren insbesondere Frauenvereine, die sich für die Aufgabe, das Los kranker und verwundeter Soldaten zu lindern, einsetzen wollten. Mit dem Krieg 1866 erweiterten sich für den Sanitätsverein die Aufgaben. Es wurden nicht nur Geld und Leibwäsche gesammelt, sondern darüber hinaus wurden Bestattungen und Lebensmittel benötigt sowie Räume, in denen Kranke und Verwundete auf Kosten des Vereins versorgt werden konnten. Weiter wurden Familien gesucht, die Kranke und Verwundete unentgeltlich aufnahmen und verpflegten. Ein Aufruf des "Zweigvereins des Württembergischen Sanitätsvereins in Aalen" war unterzeichnet von: Karoline Barth, Katherine Böhringer, Bertha Erhardt, Karoline Hartmann, Nane Köpfe, Karoline Oesterlein, Hugo Cloß, Gaiser, Haas, Wilh, Kirchgraber, Ruoff, Winter. Dekan Neuffer und Apotheker Cloß, Oberamtsaktuar Kirchgraber, der als Kassier der Geldbeträge entgegennahm, wirkten maßgeblich beim Verein mit. Schon damals wurden öffentlich Sammlungen und eine Sammlung von Haus zu Haus durchgeführt. Auch die Zahlung eines monatlichen Beitrages für die Dauer des Krieges war erwünscht. Alle Gaben wurden an den Württembergischen Sanitätsverein zur Unterstützung verwundeter und kranker Krieger "mit der Bestimmung abgeliefert, dass dieselben zunächst den württembergischen Truppen, eventuell jedoch der deutschen Bundesarmee zugute kommen sollen". Die Geschichte des Sanitätsvereins in Aalen ist in enger Verbindung zum Württembergischen Sanitätsverein zu sehen.

Man konnte damals auf die Unterstützung und Förderung verweisen, die Königin Olga "in wahrer landsmütterlicher Fürsorge" dem Sanitätsverein angedeihen ließ. Sie hatte ihn nicht nur mit der "reichen Gabe" von 500 fl. bedacht, sondern auch die "die hohe Gnade" gehabt, die Oberleitung, insbesondere der sich im Lande befindlichen Frauenvereine zu übernehmen.

In einen Aufruf des Württembergischen Sanitätsvereins von 6. Juli wurde auf Erfahrungen im Krimkrieg, in Amerika, in Schleswig und anderswo verwiesen, wobei es sich gezeigt habe, wie segensreich die aufopfernde Frauenhilfe in Zeiten schwerer Not im Bereich der Verwundeten- und Krankenpflege sein könne. Vereint mit Frauenvereinen wolle man das Liebeswerk betreiben, "in welchem unsere in Ehrfurcht geliebte Königin das Banner vorausträgt".

Archivunterlagen besagen, dass während des Krieges 1866 die Bevölkerung mit reichlichen Spendern aller Art die Anliegen des Sanitätsvereins unterstützten.

Während der Kriegsjahre 1870/71 warb der Verein um freiwillige Krankenpfleger und richtet ein Hilfslazarett, das sogenannte „Vereinslazarett“ in einigen  Räumen des Städtischen Krankenhauses und des Gasthofes „Zur Karlsburg“ ein.

Nach 1871 löste sich der Sanitätsverein auf, das verbliebene Geld wurde zinsbringend angelegt. Die Stadtchronik berichtet: Die in den Kriegsjahren 18070/71 gesammelten und damals nicht verwendete „Sanitätsgelder“ wurden vom Kassier Hugo Cloß verwaltet. Es handelte sich um 800 Mark.

Im Jahre 1901 ging das Vermögen des Sanitätsvereins in die Verwaltung der Amtskörperschaft über. Die Krankenpfleger aber blieben zusammen und gliederten sich der Freiwilligen Feuerwehr an. Die Gründung einer Aalener Sanitätskolonne im Rahmen des Roten Kreuzes erfolgte am 30. April 1911.

Die Sanitätskolonne Aalen, hervorgegangen aus dem Sanitätsverein und aus der Sanitätsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr, hatte sich zum Ziel gesetzt, den Rot-Kreuz-Gedanken zu verwirklichen. Ab 1919 kam es auch in anderen Gemeinden des heutigen Kriegsgebietes zu Bildung von Sanitätskolonnen. Während des Dritten Reiches litt auch das Aalener Rote Kreuz unter den Grundsätzen des nationalsozialistischen Staates. Eine Umwandlung des DRK’s in eine NS-Organisation scheiterte an den Bestimmungen der Genfer Konvention, die von der Reichsregierung ratifiziert worden war. Alle bestehenden DRK-Vereinsorganisationen wurden aufgelöst. Anstelle der Sanitätskolonnen wurden weibliche und männliche Bereitschaften gebildet. Die Sozialeinrichtungen wurden entschädigungslos der NS-Volkswohlfahrt zugeschlagen.

Das württembergische Innenministerium bildete mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung vom 9. November 1945 eine kommissarische Leitung des Württembergische Roten Kreuzes.

Wie aber sah es Ende 1945 bei der Kreisstelle Aalen des Württembergischen Roten Kreuzes aus?
Landrat von Lütgendorff stellte die Situation wie folgte dar: "Die Kräfte des Roten Kreuzes im Kreis Aalen wussten nach der Besetzung nicht, in welchem Umfang sie sich noch betätigen dürften, sie freuen sich deshalb, dass nunmehr Klarheit geschaffen und sowohl von der Militärregierung als auch von der Landesstelle Anweisung zur Weiterarbeit gegeben worden ist."

Für den Kreis Aalen bestand eine Dienststelle unter Leitung des Landrates. Bereitschaften bestanden in Aalen mit Wasseralfingen, Unterkochen, Essingen, Ebnat, in Ellwangen mit Lauchheim, in Bopfingen mit Neresheim.

Der Tätigkeitsbericht Mai 1945 sagte aus:
• Krankentransport mit 2 Krankenkraftwagen in Aalen und Ellwangen
• Helfer und Helferinnen setzen sich bei Ankunft von Flüchtlingen für Unterkunft und Verpflegung ein.
• Ein umfangreicher Suchdienst nach Kriegsgefangenen, vermissten Soldaten und Zivilpersonen wurde notwendig. Die Kreisstelle musste
   einen täglichen Andrang von bis zu 50 Personen mit Anliegen bewältigen.
• Vor Weihnachten wurde nahezu 1.000 Pakete à 5 kg für deutsche Gefangene in Frankreich von der Kreisdienststelle in Empfang
   genommen und an die Sammelstelle Stuttgart-Fankfurt/Main weitergeleitet.
• Das Rote Kreuz bemühte sich, ein Übergangswohnheim für die vielen durchreisenden Fremden einzurichten. Es gelang die frühere
   Gaststätte "Zum Rad" in Aalen für das Rote Kreuz zu beschlagnahmen. Sobald die notwendigen Strohsäcke und Wolldecken zur
   Verfügung standen, betrieb das Rote Kreuz mit Helferinnen ein Übernachtungsheim mit Ausgabe von Kaffee morgens und einer warmen
   Suppe abends.
• Um Erste Hilfe bei Unfällen leisten zu können, richtete das Rote Kreuz in allen größeren und verkehrsgünstig gelegenen kleinen
   Gemeinden Unfallhilfsstationen ein.
• Die weiblichen Bereitschaftsmitglieder beteiligten sich an der Sammlung und Vorbereitung von Kleidung für entlassene und heimatlose
   Soldaten.

Der Geschäftsbericht des Jahres 1946 macht deutlich:
• Aktive Mitglieder: 247 weibliche, 170 männliche
• Passive Mitglieder: 1.157
• Sammlung im Frühjahr 1946: 89.000 RM.
• Sammlung im Herbst 1946: 38.200 RM
• Im Übernachtungsheim wurden 12.028 Übernachtungen gezählt.
• In Krankenhäusern waren 6 Helferinnen des Roten Kreuzes eingesetzt. Weitere Helferinnen und Helfer arbeiteten im Ruckenlager und im
   Nordlager Wasseralfingen.
• Der Krankentransport bewältigte 900 Transporte mit insgesamt 19.000 gefahrenen km.

Die Aufgaben des Roten Kreuzes werden seit Kriegsende durch rechtlich selbständige Kreisvereine wahrgenommen, die sich seit 1982 Kreisverbände nennen und der Rechtsform nach eingetragene Vereine sind.

Krankentransport & Rettungsdienst

Insbesondere nach 1945 widmete sich das Rote Kreuz verstärkt dem Transport von Kranken und Verletzten. Der Rettungsdienst wurde in den folgenden Jahren ausgebaut.

Ausgelöst durch die Erklärung von Medizinern setzte sich in den 60er Jahren sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Parlamenten eine Diskussion über den Zustand des Rettungsdienstes ein. Es wurde festgestellt, dass bis zu 20.000 Menschen jährlich sterben, weil eine wirksame Hilfe nicht oder nicht rechtzeitig geleistet werden konnte.

In Baden-Württemberg war das Ergebnis der parlamentarischen Behandlung zunächst im Jahre 1970 eine umfangreiche Denkschrift der Regierung über die Situation des Notfallrettungsdienstes und des Krankentransportes. Darin wurde festgestellt, dass bei der Entwicklung des Rettungsdienstes bereits viel mehr geschehen war, als allgemein bekannt oder bewusst war. Sie zeigte aber auch erhebliche Lücken und Schwächen und vor allem auch die Ursachen auf, die in der völlig ungenügenden Finanzierung zu suchen waren.

Dafür ein Beispiel: In einem Bericht des Landratsamtes Aalen an das Regierungspräsidium vom 24.04.1970 wurde festgestellt, dass der DRK-Kreisverband Aalen von den zwei jährlich neuanzuschaffenden Fahrzeugen nur eines aus eigenen Mitteln bestreiten konnte und hinsichtlich des anderen auf Spenden angewiesen sei. An die höchst wünschenswerte Besetzung der Einsatzfahrzeuge mit zwei Sanitätern sei aus finanziellen Gründen schon gar nicht zu denken. Die in der Denkschrift gemachten Vorschläge gipfelten deshalb auch in der Forderung nach einem Landesprogramm zur finanziellen Förderung einer Reihe von Maßnahmen.

Gesetz über den Rettungsdienst

Am 28.Mai 1975 verabschiedete der Landtag das Gesetz über den Rettungsdienst. Die wichtigste Regelung des Gesetzes war, dass es den Zustand sanktionierte, wonach der Rettungsdienst und der Krankentransport weiterhin nicht als öffentliche Aufgabe wahrgenommen wird, sondern den Sanitätsorganisationen überlassen bleibt. Die Landesregierung wurde verpflichtet, koordinierend mitzuwirken und nötigenfalls einzugreifen, zu diesem Zweck einen Landesbeirat für das Rettungswesen zu bilden und einen Rettungsdienstplan zu erstellen.

Im Zuge der Entwicklung des Rettungsdienstes aus dem Krankentransport wurde neben dem klassischen Krankentransport (KTW) der Rettungswagen (RTW) konzipiert und nach und nach eingeführt. Der zum Transport von Notfallpatienten bestimmte RTW ist in Aufbau und Ausstattung geeignet, eine maximale Erstversorgung und Behandlung des Notfallpatienten zu gewährleisten. Die zwangsläufige Folge der Verbesserung des Rettungsdienstes war die Einrichtung des Notarztdienstes.

Mit kleinen Schritten begann 1974 der Aufbau des Notarztdienstes beim DRK in Aalen. Unterstützt durch niedergelassene Ärzte, war es die neu eingerichtete Anästhesieabteilung des Kreiskrankenhauses Aalen, die aufgrund ihres speziellen Aufgabengebietes Schrittmacherdienste leistete.

Bereits im Jahr 1975 wurde der Notarztdienst rund um die Uhr im Bereich Aalen organisiert. In den folgenden Jahren entstanden auch bei den Rettungswachen Ellwangen, Bopfingen und Neresheim Notarztdienste, sodass alsbald eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung im Rettungsdienst gewährleistet war. Bis heute wird der Notarztdienst fast ausschließlich von Ärzten der Kreiskrankenhäuser geleistet.

Während es 1975 120 Notarzteinsätze waren, stieg die Zahl auf 1.000 im Jahr 1980, 1985 auf 1.200, 1990 auf 1.800. Bis im Jahr 2015 stieg die Zahl der Notarzteinsätze auf 5.634 an.

Rettungsleitstelle

Eine Folge des Rettungsdienstgesetzes von 1975 war die Einrichtung von Rettungsleitstellen für die neugeschaffenen Rettungsdienstbereiche. So erhielt auch das DRK Aalen im Oktober 1975 eine weitgehend vom Land geförderte Rettungsleitstelle im Gebäude Curfeßstraße 13. Mit der Einrichtung der Leistelle verbunden war die Aufschaltung der Außenwachen Ellwangen, Bopfingen und Neresheim. Ab diesem Zeitpunkt gehen Telefongespräche aus den genannten Bereichen aufgrund einer Postdirektschaltung bei der Leistelle in Aalen ein. Damit ist sichergestellt, dass jeder Anrufer rund um die Uhr einen Ansprechpartner hat.

Eine gemeinsame Rettungsleitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst wurde 1981 geschaffen. Die Einsätze der FFW im Ostalbkreis werden über diese Leistelle koordiniert. In den 10 Jahren des Bestehens der gemeinsamen Rettungsleitstelle hat sich diese Form der Zusammenarbeit bewährt. Es werden annähernd 100 Feuerwehren im Brandfall alarmiert die Einsätze im Rettungsdienst abgewickelt und somit das gesamte Gebiet des Ostalbkreises einsatzmäßig abgedeckt. Insgesamt werden von der Rettungsleitstelle jährlich bis zu 25.000 Einsätze in den verschiedenen Bereichen abgewickelt.

Im Laufe der Jahre: kamen zu den klassischen Aufgaben der Leistelle neue Tätigkeiten hinzu: Über 100 Teilnehmer des Hausnotrufes sind rund um die Uhr mit der Leistelle verbunden und können im Notfall sofort Hilfe anfordern.

Für die durch den Ostalbkreis laufende Ölpipeline liegen Alarmpläne bei der Leitstelle. Bei Störfällen werden die zuständige Feuerwehr und weitere Stellen alarmiert. Ölalarme, Waldbrände, Störungen der Strom-, Gas- und Wasserversorgung werden der Leistelle gemeldet. Für den Katastrophenfall liegen bei der Leistelle entsprechende Pläne der Stadt Aalen und des Landkreises auf. Für die Erstalarmierung ist die Leitstelle zuständig. Alarmpläne der Rotkreuzeinheiten werden von der Leistelle überwacht und notfalls die Alarmierung durchgeführt. Die Leitstelle führt ein Verzeichnis der verschiedenen Gefahrengüter mit einer entsprechenden Beschreibung derselben und die Art ihrer Bekämpfung.

Für das Landratsamt und die Stadtverwaltung Aalen wird nach Dienstschluss die Telefonvermittlung durchgeführt. Der zahnärztliche Sonntagsdienst wird für den gesamten Ostalbkreis von der Leitstelle Aalen als Auskunftsstelle geregelt.

Sozialarbeit

Von Anfang an war die Sozialarbeit ein wichtiger Bestandteil der Rot-Kreuz-Arbeit.
Unter schwierigen Bedingungen wurden nach 1945 die Heimkehrer-Transporte betreut. Bald kann die Durchführung von Sommerferienheim-Aufenthalten für Kinder aus allen 'Teilen der Bundesrepublik, insbesondere aus Berlin, hinzu.
Über lange Jahre hinweg wurde bis 1980 während der Schulferien in verschiedenen Schulen mit Unterstützung der Gemeinden für jeweils 40 Kinder während vier Wochen ein Ferienaufenthalt in gesunder Luft mit einer guten Verpflegung geboten. Noch heute erinnern sich viele der damaligen Feriengäste gerne an diese Zeit.

1972 wurde auf Initiative der damaligen DRK-Kreissozialleiterin Ilse Neubert, die Aktion "Essen aufRädern" ins Leben gerufen. Sie soll es älteren Mitbürgern ermöglichen, in der eigenen Wohnung täglich eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen und damit dazu beitragen, möglichst lange sich selber zu versorgen. Die Mahlzeit wurde von der Küche des Kreiskrankenhauses Aalen zur Verfügung gestellt.

Mit 5 Teilnehmern wurde die Aktion 1972 begonnen. Rasch wuchs die Zahl der Teilnehmer auf 60 an. Damit war die Abgabegrenze der Küche im Kreiskrankenhaus erreicht. Bei steigendem Bedarf wurde die Aktion 1975 auf Tiefkühlkost umgestellt. Dadurch wurde auch möglich, weiter entfernte Gebiete zu versorgen. Inzwischen werden vom Roten Kreuz im Bereich des Altkreises Aalen über 500 Teilnehmer mit "Essen auf Rädern" versorgt.